Visionen von Schubladen: Ein Gespräch mit Max Kersting

  Albert Naasner
vor etwa einem Jahr in Gespräche

Kunst von Max Kersting findet man hier: ZEIT Magazin, Süd­deutsche, VICE, brand eins, Galerien, Skateparks und, dank uns, jetzt auch wieder online. Er publiziert, ist Getränke­hersteller, organisiert Sport­events, ist Party-DJ und wäre der ideale Talkshow-Gast. Albert Naasner hat mit Max Kersting über Identität und Schubladen­schränke gesprochen.

Albert Naasner: Max, Du bist damals wegen Ninasagt.de auf uns zugekommen…
Max Kersting: Jetzt frag nicht, was mir an der Seite gefallen hat, nur weil ich am Telefon so charmant geschwärmt habe.
AN: Gut, dann lassen wir das weg. Aber warum sagst Du: „So will ich das auch haben!“? Das ist ja mehr als nur: „Gefällt mir.“
MK: Die Lässigkeit, die ist wichtig. Nichts ist zu gewollt oder erzwungen. Es kommt direkt ein Gefühl rüber. Eins, dass ich genau mit der Galerie verbinde.

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Ninasagt ist eine Galerie für zeitgenössische Kunst und Illustration in Düsseldorf: Ninasagt.de

AN: Da stimmt also für Dich ein Gesamt­bild und das wolltest Du auch. Hat denn bei Dir das Bild nicht gestimmt?
MK: Ja, ich denke so war das. Meine alte Webseite hat nicht mehr zu mir gepasst. Oder, ich habe mir zum ersten mal darüber Gedanken gemacht, dass sie gar nicht zu mir passen kann. Ich hatte die einfach.
AN: Ich glaube, ein un­stimmiges Gesamt­bild ist immer der eigentliche Knack­punkt. Also ein Identitäts­problem, das formal oder technisch gar nicht zu lösen ist. Leider wird dann oft nur über Icons und Buttons gesprochen. Dabei ist ja klar, dass die Lässigkeit daher nicht kommen kann, oder?
MK: Also erst war mir das nicht klar. Es hat sich aber durch den Prozess eine klarere Idee von dem, was ich in Zukunft machen will, gefestigt. Was soll mehr werden, was weniger? Wohin soll es gehen? Das Sortieren hatte fast schon thera­peutische Wirkung. Ohne Klarheit keine Lässigkeit.
AN: Wir haben deshalb ja bewusst vermieden, Archiv und Präsentation zu vermischen. Und jetzt kuratierst Du deine eigene Mikro­ausstellung.
MK: Ja, genau. Kurator sein ist schön. Ich habe, glaube ich, bei unserem ersten Gespräch gesagt: „Am liebsten hätte ich keine Internet­seite“, und dann gefragt, ob man das machen kann. Also keine Web­seite haben, aber eine Web­seite haben. Mit dem Ergebnis bin ich deshalb jetzt auch sehr zufrieden. Weil es ja irgendwie keine typische Seite geworden ist. Weniger Portfolio, mehr Haltung. Das ist Max Kersting, den könnte man gut in eine Talkshow einladen.

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Die „Max Kersting Mikroausstellung“ (Stand: 29.02.2016)

AN: Ist es ein Problem, dass die Seite nicht typisch, nicht schub­laden­tauglich ist?
MK: Schub­laden sind eine super Sache. Man muss nur wissen, wie man mit ihnen umgeht.
AN: Stimmt.
MK: Meine Webseite hat jetzt drei kleine und zwei große, breite Schub­laden. Oben auf den Schub­laden­schrank stelle ich dann immer als Mikro­ausstellung ein paar Gegen­stände. Und das alles sieht nach Max Kersting aus. Zu wissen, was Max Kersting sein soll, ist der erste Schritt im Prozess. Dann baut man den Schrank mit den Schub­laden. Erst die Vision, dann der Schub­laden­schrank.
AN: Das Konzept „Mikro­ausstellung“ funktioniert nur mit regel­mäßiger Veränderung. Das kostet Zeit…
MK: Die Seite fordert! „Verdammte Scheiße, will ich das wirklich so?“, habe ich erst gedacht, „Dann muss ich immer ran an die Seite.“ Eigentlich ist es aber genau anders: Ich kann immer ran an die Seite! Ich habe eine super Plattform, um einfach mein Ding zu machen. Die nächste Mikro­ausstellung ist auch schon in Arbeit.
AN: Und Ist Maxkersting.de jetzt lässig?
MK: Ja, ich habe ein gutes Gefühl. Ich kann mich damit identifizieren.
AN: Sehr gut! Hast Du noch was zum Abschluss?
MK: Leute, die mich in Talkshows reinbringen können, sollen sich melden. In die erste komme ich umsonst, dann steigt meine Gage mit jeder weiteren. Hier ist noch eine neue Sache. Und wer auf dem Laufenden bleiben will, sollte sich in meinen Newsletter eintragen. Der erste geht die Tage raus.

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Aus „Neue unbeschwerte Tage“ von Max Kersting, 2014