Mind Summit: Gedankenleser, Hypnotiseure, Mentalisten

  Michael Krisch
about 1 year ago in Conversations

Thomas Heine ist Studiendirektor an einem Berliner Gym­nasium mit universitären Lehraufträgen, schwer­punkt­mäßig in den Bereichen (Neuro-) Biologie, Psycho­logie und Philos­ophie. Rainer Mees ist technischer Berater und Seminar­leiter im Bau­handwerk. Zuvor war er lange Zeit in der Entwicklung tätig. Gemeinsam beraten sie internationale Künstler bei der Entwicklung und Konstruktion von Show-Effekten und der Inszenierung von Bühnen­programmen und sind selbst als Performer aktiv.

Sie sind die Veranstalter und Organisatoren der Mind Summit, Europas größtem Fach­kongress für psychologische Unterhaltungs­kunst, der im Mai 2016 zum dritten Mal in Folge in Köln stattgefunden hat. Dort traf Michael Krisch die Beiden zum Gespräch.

Michael Krisch: Wie würdet Ihr einem Außen­stehenden die Mind Summit beschreiben?
Rainer Mees: Auf der Mind Summit kommen Gedankenleser, Hypnotiseure, Mentalisten und Persönlichkeit aus Funk und Fernsehen zu einem familiären Treffen zusammen, um sich über aktuelle Trends und Themen auszutauschen.
Thomas Heine: Abgesehen vom Inhaltlichen ist das Event extrem inter­national geprägt: Wir haben Besucher aus 25 Ländern und allen Teilen der Welt. zu Gast. Dadurch entsteht natürlich eine besondere kulturelle Mischung, auf die wir sehr stolz sind.

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MK: Wie ist die Idee entstanden, einen solchen Kongress in Köln zu etablieren?
RM: Köln ist einfach die schönste Stadt der Welt! Aber im Ernst: Die Veranstal­tung kommt ursprünglich aus Amerika, ganz genau sogar aus Las Vegas. Wir waren als Künstler und Presenter selbst dabei und sind schnell auf die Idee gekommen, dass wir ein vergleich­bares Event nach Europa holen sollten. Köln ist durch seine zentrale Lage und die gute Infra­struktur hervorragend geeignet. Gemeinsam mit Danny Archer, unserem amerikanischen Kollegen, haben wir dann vor drei Jahren das erste Event initiiert. Bereits beim ersten Anlauf hat die Teilnehmer­zahl alle Erwartungen übertroffen, so dass wir extrem motiviert waren weiterzumachen.
MK: Die Szene ist eher klein und eher im Verborgenen unterwegs. Wie wirbt man für ein solches Event und lernt andere Künstler kennen?
RM: Klein ist hier relativ. Klar, gemessen an der Anzahl der Fußball­fans ist die Szene der Mentalisten eher klein. Trotzdem reden wir hier hier von einigen tausend Menschen, so dass wir im Verglichen zu anderen Themen gar nicht mehr so klein sind.
TH: Wir sind außerdem schon sehr lange in der Szene unterwegs und bieten anderen Künstlern Beratung an. Dadurch, dass wir hier inzwischen auch inter­national einen sehr guten Ruf genießen, fällt es uns sehr leicht, die richtigen Menschen und Multiplika­toren zu erreichen. Auch die zunehmende digitale Kommu­nikation erleichtert uns vieles.

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MK: Was kann ich mir unter „Mentalismus" konkret vorstellen?
TH: Mentalismus ist eine sehr spezielle Form der Unterhaltungs­kunst. Das, was wir zeigen, bewegt sich in der Schnitt­menge des Realen und dem Unwahr­schein­lichen. Um das scheinbar Unerklär­liche erlebbar zu machen, verwenden wir psycho­logische Techniken, Suggestionen und gedankliche Manipulationen.
RM: Und natürlich unsere Persönlichkeit als Künstler. Auf diese Weise können wir die sinnliche Wahr­nehmung von Menschen unbemerkt lenken, Ihre Realität kontrolliert verschleiern und in ihnen lesen.
MK: Das klingt ganz danach als könnten diese Fähig­keiten auch abseits der Bühne sehr nützlich sein?
RM: Selbstverständlich. Sowohl privat als auch beruflich gibt es sehr viele Situationen, in denen es hilfreich ist, zu wissen, wie unser Gegenüber tickt, was ihn antreibt und wie er sich fühlt. Stell Dir einmal vor, Du hast ein Verkaufs­gespräch und kannst Dein Angebot zielgerichteter vertreten, weil Du genau weißt, welche Argumente bei Deinem Gesprächs­partner wirken. Das kann sehr profitabel sein.
MK: Aber kann man das denn so einfach lernen?
TH: Es gibt Veranlagungen, die dabei helfen: Wer einfühlsam, sensibel und emphatisch ist, der hat es prinzipiell leichter. Aber grundsätzlich geht es nicht um spezielle Eigen­schaften, die nur wenige besitzen. Jeder von uns besitzt Einfühlungs­vermögen und hat durch seine Lebens­erfahrung ein Gefühl für andere Menschen. Es ist aber nur sehr wenigen gegeben, dieses auch konkret und konstruktiv zu nutzen. Speziell für die Wirtschaft haben wir deshalb das Seminar „Impressions“ entwickelt, das sich stark an unserer Intuition und Lebens­erfahrung orientiert, um Menschen zu „lesen“. Im Kern ist unser Seminar ein strukturierter Leitfaden zum Erlernen und Nutzen von Empathie im beruflichen Kontext.

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Rainer Mees und Thomas Heine, die Veranstalter der „Mind Summit“

MK: Wie finde ich als Interessierter einen Einstieg in das Thema?
RM: Generell muss man zwischen Business- und Showkontext trennen. Nicht alles, was auf der Bühne passiert, lässt sich direkt ins echte Leben übertragen. Wer auf die Bühne will, sollte allerdings keine Probleme damit haben, vor anderen Menschen aufzutreten und Spaß daran haben, sie zu unterhalten. Einen goldenen Weg für einen Einstieg gibt es aber auch hier nicht. Manche kommen aus der klassischen Zauber­kunst, wieder andere aus der Gedächtnis­kunst. Am einfachsten ist es, anderen Künstlern zuzusehen und zu versuchen, mit ihnen Gespräch zu kommen.
MK: Sicherlich werdet Ihr auf Grund Eurer Kenntnisse auch oft darauf angesprochen, Lebens­beratung zu geben. Wie denkt Ihr darüber?
TH: Es gibt immer wieder Situationen, in denen uns Menschen Dinge anvertrauen, die sie uns vermutlich nie erzählt hätten, wenn sie unseren Hinter­grund nicht kennen würden. Wir sehen uns allerdings weder als Lebens-Coaches noch als Therapeuten. Lebensberatung ist nicht unser Job. Wir wollen inspirieren und unterhalten.
MK: Gibt es einen einfachen Kniff um Menschen zu lesen, den Ihr verraten könnt?
RM: Sei anderen Menschen gegenüber aufmerksam!