Es geht doch!

  Albert Naasner
about 1 year ago

„Lass mal das linke Hand­gelenk gerade!“, ruft Frank Adamowicz vom anderen Ende des Fairways. Der Angespro­chene schaut kurz hoch, dann der Rück­schwung, ein lautes Knacken, die End­position, erstaunt-freudiges Kreischen. Der Ball liegt mitten auf dem Grün.

Frank Adamowicz ist Golf­trainer. Sein Traum­beruf, wie er selbst sagt. Als ehemaliger National­trainer (Europa­meister 2006) und Mann­schafts­trainer (9 mal Deutscher Mannschafts­meister) ist Adamowicz mit seinem Traum­beruf recht erfolgreich. Er trainiert allerdings nicht nur sehr gute Spieler, sondern eben auch sehr bemühte.

Der Golf­schwung an sich bean­sprucht ca. 130 Muskeln des mensch­lichen Körpers. Die Schultern werden gedreht, Gewicht verlagert, Hand­gelenke bewegt, usw. Dann muss man noch einen Ball mit 4cm Durch­messer treffen. Der soll mit vier Schlägen irgendwo 400m weiter, hinter Bäumen und Sträuchern, in einem Loch mit 10cm Durch­messer landen. Komplexe Sache. Wie kommt also ein so guter Golftrainer wie Frank Adamowicz zu der singulären Aussage: „Lass mal das linke Hand­gelenk gerade!“? Das kann doch nicht alles sein?

Als Trainer erfolgreich zu sein bedeutet nicht nur extrem viel Wissen und Erfahrung mit sich herum­zutragen. Erfolg bedeutet, dieses Wissen besonders gut in fremde Gehirne transpor­tieren zu können. Und Daten überträgt man am besten kompri­miert. Die Aussage wird passend für den jeweiligen Spieler­typ verpackt und mit einer daraus resul­tierenden Formu­lierung in das fremde Gehirn übertragen. Dort löst sie, innerhalb der zwei Sekunden, die ein Golf­schwung dauert, eine Vielzahl von Effekten aus. Welche genau das sind, sollte man Frank Adamowicz besser direkt fragen.

golfschwung
Golfschwungsequenz, aufgenommen an der Königlichen Technischen Hochschule Stockholm, ca. 1950. (Quelle)

Kompri­mierung ist für die Über­tragung von Information in menschliche Gehirne also nicht nur angenehm, sondern absolut notwendig. Frank Adamowicz könnte wahrscheinlich mit Leichtig­keit das „gerade Hand­gelenk“ in zehn weitere Aussagen aufbrechen, würde damit aber ein schlechteres Ergebnis erzielen. Denn während des Golf­schwungs bewusst zehn Korrekturen umzusetzen ist im Grunde unmöglich. Die Information wäre trotz eventueller inhalt­licher Relevanz nicht mehr zu verarbeiten.

Fazit: Je passender Information für den jeweiligen Empfänger­typen komprimiert wird, desto besser kann sie übertragen und verarbeitet werden. So kommuni­ziert man erfolgreich. Im Sinne von Frank Adamowicz: Es geht doch!