Das Aufräumen

  Albert Naasner
about 1 year ago

Das Aufräumen an sich ist ein komplexer Vorgang. Es gilt zunächst zu untersuchen ob eine zuvor existente Ordnung zerstört wurde, oder eine Ordnung, die zuvor ausreichend viele Unter­ordnungen bot, nun nicht mehr ausreicht und so Unordnung entstanden ist. Meistens spielen dabei Objekte die in ihrer Wichtigkeit für das System, dem die Ordnung zugrunde liegt, geschwächt wurden, von neuer Wichtigkeit erfüllt, oder gar gänzlich neu in das System eingebracht wurden, eine entschei­dende Rolle. Diese Objekte müssen identifiziert und ihre Wichtigkeit für das System festgehalten werden.

Aufräumen beinhaltet das Abräumen als elementaren Vorgang. Orte oder Räume die nach Vorgabe des Systems nicht permanent besetzt sein dürfen, bzw. sollen, müssen abgeräumt werden. Um diesen Vorgang überhaupt zu ermöglichen wird oft (vor allem im zuvor genannten Fall einer Neu­ein­bringung in das System) zunächst der Zwischen­schritt des Umräumens erforderlich.

Dem Raum wird also ein neuer Ort und/oder dem Objekt ein neuer Raum zugewiesen. Eine voraus­schauende Arbeitsweise ist beim Vorgang des Umräumens notwendig, um diesen, von den drei Vorgängen arbeits­aufwändigsten, Vorgang in seiner Frequenz zu minimieren. Der in den meisten Fällen unausweich­liche erste Schritt des Umräumens ist das Abräumen der Gesamt­heit von Ordnung und Unordnung.

Das Abräumen ermöglicht es Objekte, deren Wichtigkeit für das System dermaßen geschwächt ist, dass ihre Existenz auf die Belegung von Raum reduziert wurde, zu entfernen. Dieses entfernen löst oft jene Unter­ordnungen auf, welche die Ordnung des Systems vor dem Entschluss zum aufräumen gestört, bzw. sogar zerstört haben. Erst wenn die Frage einer relevanten Existenz aller Objekte im System geklärt ist können neue Unter­ordnungen gebildet werden. Unter­ordnungen werden im Sinne einer gesamt­heitlichen Ordnung neue Räume und diesen Räumen permanente Orte zugewiesen. Alle Objekte müssen auf ihre zuge­wiesenen Orte aufgeräumt werden. Die Eigenart der Permanenz eines Ortes macht ein ständiges temporäres Zuweisen von Objekten zu Orten unmöglich und führt immer zu Unordnung. Desto klarer die Definition von Unter­ordnungen und deren Räumen auf Orten, desto größer die Klarheit der gesamten Ordnung des Systems.

Nun ist es möglich Objekten des Systems temporäre Orte zuzuweisen, Objekte von temporären Orten ab- und in ihre Räume innerhalb der permanenten Ordnung des Systems aufzuräumen und vor allem Orte oder Räume die nach Vorgabe des Systems nicht permanent besetzt sein dürfen tatsächlich abzuräumen.

Um erfolgreich aufzuräumen muss also einem System eine Ordnung gegeben werden, in der alle Objekte wertvoll sind. Weiterhin muss es einen klaren Raum besitzen und dieser Raum muss einen klaren Ort haben. Ohne die Ein­haltung dieser Aspekte ist das Aufräumen von Objekten auf Orte ein inhalts­loser Vorgang, der in keinem Fall und keiner Frequenz zu einer Ordnung eines Systems führen kann.

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„introspektive Gestaltung“, Albert Naasner, 2014 Auszug Nummer 007